Freitag, 13. Juni 2008

Sehr geehrter Herr Vogt

Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Bereitschaft, mit uns zu diskutieren. Wir beantworten gerne Ihre Fragen.

Bezüglich der Medienberichte möchte ich Sie auf ein paar Zahlen aufmerksam machen, auf denen wahrscheinlich die Aussagen in den Medien gründen. In Ergebnissen zu den bisherigen eidgenössischen Volksabstimmungen zum Thema Kernenergie zeigten sich die Solothurner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger immer kernenergiefreundlicher als der schweizerische Durchschnitt. So haben zum Beispiel 73% der Solothurnerinnen und Solothurner die Volksinitiative "Strom ohne Atom" abgelehnt. Im persönlichen Gespräch mit Niederämtern stelle ich immer wieder fest, dass das KKG gut verankert ist und ein weiteres Kernkraftwerk akzeptiert würde. Dieser Eindruck wird untermauert von einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demoscope, die im Januar 2008 durchgeführt wurde. Darin haben sich 52% der Niederämter für ein neues Kernkraftwerk ausgesprochen. Das sind 8% mehr als auf nationaler Ebene. Die gute Akzeptanz ist sicher auch dem KKG zu verdanken. Es geniesst einen guten Ruf, denn 89% der Befragten gaben an, dass das KKG ein eher gutes oder sogar gutes Image bei ihnen habe. Es ist uns natürlich bewusst, dass nicht alle Niederämterinnen und Niederämter ein neues Kernkraftwerk begrüssen und wir respektieren ihre Haltung dazu.

Zum politischen Willen auf Bundesebene möchte ich einwenden, dass bereits grosse Anstrengungen unternommen wurden. Denken wir nur an die Energiesparprogramme, die mit Bundesrat Ogis Eierkochen berühmt wurden. Leider haben aber das Bevölkerungs- und das Wirtschaftswachstum und die Zunahme der elektrischen Geräte inkl. Computer die Sparanstrengungen zunichte gemacht. Energieeffizienz heisst übrigens auch mehr Stromverbrauch. Wird eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, die die Umweltwärme nutzt, ist das zwar effizienter, doch der Stromverbrauch steigt.
Die erneuerbaren Energien werden dank einer Abgabe von 0,6 Rp./kWh, die jeder Stromkonsument bezahlen muss, mit 360 Mio. CHF pro Jahr gefördert. Dazu kommen noch grosse Summen der Stromproduzenten. Insgesamt sollen in den nächsten 30 Jahren 10 Milliarden CHF in die erneuerbaren Energien fliessen. Doch leider lassen sich damit nur ca. 5 TWh jährlich an zusätzlichen grünen Strom produzieren. Das entspricht nur einem Fünftel der Stromlücke von ca. 25 TWh. Mehr liegt vom Potenzial her nicht drin. Der Widerstand gegen Wind- und Kleinwasserkraftwerke von Seiten der Landschaftsschützer, Fischer etc. ist so gross, dass sich viele Vorhaben nicht verwirklichen lassen.

Ihr Einwand bezüglich des Tiefenlagers kann ich verstehen. Bis Ende Jahr sollen mögliche Standorte für die engere Wahl vorgeschlagen werden. Es ist uns bewusst, dass es ein langwieriger und schwieriger Prozess werden wird, doch im Kernenergiegesetzt steht, dass die radioaktiven Abfälle, die übrigens nicht nur von den Kernkraftwerken stammen, in der Schweiz entsorgt werden müssen. Wie beim Bau neuer Kernkraftwerke hat das Volk auch beim Bau eines Tiefenlagers das letzte Wort. Beide Entscheide unterliegen dem fakultativen Referendum. Sie präjudizieren einander nicht. Bei der Entsorgung der nuklearen Abfälle geht es nicht um die Frage für oder gegen Kernenergie. Die radioaktiven Abfälle sind schon heute eine Realität, mit der wir uns auseinandersetzen und die wir lösen müssen.

Die Niederämter Gemeindepräsidenten sind sich des Steuerproblems bewusst. Sie haben sich laut Medienberichten darauf geeinigt, eine faire Verteilung der Steuern eines neuen Kernkraftwerks zu finden.

Bezüglich des Kühlturms gibt es gute Nachrichten. Atel hat erkannt, dass dieser ein pièce de résistance ist und plant einen Hybridkühlturm. Dieser ist nur ca. ein Drittel so hoch wie der bestehende und wird mit Ventilatoren belüftet. Er wird im Normalfall keinen Dampf ausstossen. Von Lostorf her sollte das neue Kernkraftwerk nicht zu sehen sein.

Ich hoffe, Ihre Fragen damit einigermassen beantwortet zu haben und freue mich, mit Ihnen vielleicht an einem unserer Anlässe mal persönlich zu diskutieren.


Thomas Vogt, Lostorf hat einen neuen Kommentar zu Ihrem Post "
Resolution der AVES CH" hinterlassen:

Ein zweiter Reaktor für das Kernkraftwerk Gösgen– ein paar Gedanken aus Lostorfer SichtAls geschäftlicher wie auch privater Nutzer von elektrischer Energie habe ich gegenüber der Kernenergie keine ablehnende aber kritische Haltung. Als sehr störend, unfair und nicht zutreffend empfinde ich die unzähligen Medienberichte, wonach alle Einwohner des Niederamtes als atomfreundlich bezeichnet werden, ja gar so dargestellt wurden, dass wir eigentlich nur darauf warten, bis der Bau eines weiteren Kraftwerkes in Angriff genommen werden kann.Nichts desto trotz sind für mich im Allgemeinen und als Lostorfer Einwohner im Speziellen einige Punkte offen, welche geklärt sein müssen, bevor ein neues oder gar ein zweites Kernkraftwerk gebaut werden kann.
1. Der politische Wille muss auf nationaler Ebene vorhanden sein, dass alternative Energien gefördert werden und Sparmassnahmen greifen.
2. Die Frage eines möglichen Endlagers muss gelöst sein. Die Expertise liegt schon seit Januar 2003 von der Nagra auf, doch der Widerstand im Zürcher Weinland, dem Gebiet der 1. Priorität, ist gewaltig, denn ein Endlager will ja niemand in der Nähe haben.
3. Eine gerechte Lasten- und Steuerverteilung muss vorliegen. Es kann nicht angehen, dass Däniken einen Löwenanteil der Einnahmen erhält, aber nur einen geringen Teil der Lasten trägt. Obschon die Einrichtungen auf Däniker Boden liegen, haben diese regionale Auswirkungen. Mehr als 25% der Einnahmen stehen der Gemeinde nicht zu. Der Rest muss gerecht auf die umliegenden Gemeinden im Niederamt verteilt werden.
4. Schliesslich sollte dem Landschaftsbild eine grosse Bedeutung beigemessen werden. Lostorf liegt ja bekanntlich nördlich des Kühlturmes, wo das Sonnenlicht zwischenzeitlich von einer Dampfschwade eingetrübt wird. Als Betreiber einer Photovoltaik Anlage ärgert mich das besonders. Einen zweiten Kühlturm verträgt es nicht. Im Gegenteil müssen Alternativen gesucht werden, welche dem Niederamt eine dampfarme oder gar dampflose Zukunft bescheren.Das sind Fragen, welche mich und bestimmt auch andere Betroffene beschäftigen und worüber ich gerne von den zuständigen Seiten eine Stellungnahme erwarte.
Thomas Vogt, Lostorf

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